Hannas Freiheitskolumne: Tanzen gegen Polarisierung

14.2.20

Hanna Bülte

Es schallt, es dröhnt, es hämmert: Ausgetanzt, aber mit einem Lächeln im Gesicht steigt man am Morgen nach einer langen Nacht die Treppen hinauf, öffnet die Tür, tritt hinaus ins grelle Sonnenlicht — und kehrt zum Alltag zurück. Mehr als 22 Millionen Deutsche tauchen jährlich in einem der vielen Clubs ab, vergessen Zeit und Raum um sich herum und genießen dieses besondere Gefühl von Freiheit. In der feiernden Masse wird man mit allem eins. Unterschiede werden einfach weggetanzt. Gerade in Berlin. 


Doch nicht nur die Bewohner der Hauptstadt gehen aus. Besonders begehrt ist das Berliner Partyangebot bei Touristen aus aller Welt, die millionenfach zu uns kommen, um in unser Nachtleben einzutauchen und einfach nur den Beat zu fühlen. 


Diese “Feierferien” nutzen uns allen: Denn der Partytourismus bringt jährlich nicht nur Menschen, sondern mit ihnen auch schätzungsweise 1,5 Milliarden Euro direkte und indirekte Umsätze in die Hauptstadt. Und nicht nur das, die Partyszene bietet auch unterschiedliche Jobangebote für die Berliner. Es werden schließlich Türsteher, DJs, Eventmanager etc. benötigt, um legendäre Feste zu feiern. 


Denn anders als noch vor 20 Jahren sind Parties heutzutage oft nicht mehr schnell selbstorganisiert, sondern müssen detailliert geplant werden. Es geht um staatliche Auflagen. Und dazu braucht es Mitarbeiter. Mit über 9 000 Angestellten allein in Berlin ist die Clubszene in den letzten Jahrzehnten zu einem unabdingbaren Arbeitgeber geworden. Mehr und mehr Menschen werden jedoch betroffen sein, je mehr Clubs dicht machen. Und der Prozess ist schon im Gange: Erst am 4. Februar diesen Jahres hat mit der Griessmuehle ein weiterer Berliner Club für immer seine Türen schließen müssen.


Doch mit jedem Club, der verschwindet, verliert unsere Stadt ein Stück Vielfältigkeit. Ich kann mir nicht ausmalen, wie eintönig und langweilig es wäre, wenn um mich herum alle gleich wären. Berliner Clubs sind zu einem Herzstück der Stadt geworden und tragen entscheidend dazu bei, unseren vielen Kulturen einen Raum zu geben, sich miteinander auszutauschen. Wenn diese Clubs jetzt schließen, fehlen in Berlin und Deutschland integrierende Orte. Dabei können wir diese gerade jetzt ganz dringend gebrauchen. 


In Politik und Gesellschaft fällt mir in letzter Zeit leider immer mehr auf, wie die Polarisierung stärker wird. In Clubs aber relativiert sie sich wieder, denn Feiern wirkt aktiv für gegenseitige Verständigung. Wenn Menschen miteinander tanzen, kommen sie sich näher. Das verbindet Menschen, denn sie finden das, was sie gemeinsam haben: Lebensfreude und der Wunsch nach Freiheit. Und nur, wenn wir Orte haben, uns zu vereinen, können wir unsere Probleme in Angriff nehmen und gemeinsam Lösungen finden. Denn andere Kulturen auszugrenzen, ist keine Option. Wir dürfen in den heute so gespaltenen Zeiten der Gesellschaft nicht das wegnehmen, was doch eigentlich am wichtigsten ist: Der Zusammenhalt. 

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